Seite 7 FAZIT: Eine vielfältige Medienlandschaft entsteht nicht durch Konzentration, sondern durch Wett- bewerb – und nähert sich durch offene Diskussion unterschiedlicher Perspektiven der Wahrheit an. kann heute nicht mehr darin beste- Meinungsvielfalt ist kein Produkt hen, eine einheitliche redaktionelle eines einzelnen, dominanten Medi- Linie für die gesamte Bevölkerung enhauses, sondern das Ergebnis zu formulieren. Vielmehr muss er mehrerer unabhängiger redaktio- darauf ausgerichtet sein, Differen- neller Stimmen, die unterschiedli- zierung zu ermöglichen, unter- che Perspektiven sichtbar ma- schiedliche Perspektiven sichtbar chen. zu machen und den öffentlichen Genau hier setzt in unserer Be- Diskurs zu öffnen, statt ihn zu bün- trachtung die Volksinitiative «200 deln. Franken sind genug» an: nicht mit Eine Reduktion der SRG-Gebüh- dem Ziel, Information zu schwä- ren auf 200 Franken wäre dabei chen, sondern um Raum für echte kein Angriff auf den Journalis- publizistische Vielfalt zu schaf- mus, sondern ein struktureller Be- fen. freiungsschritt. Die SRG bliebe Statt einen einzigen, zentralen Ser- Teil der Medienlandschaft – je- vice-public-Sender mit Milliarden doch als ein Anbieter unter meh- aus Gebühren auszustatten, wäre reren, nicht als dominierender es demokratiepolitisch folgerich- Gatekeeper der öffentlichen Mei- tig, mehrere unabhängige Informa- nung. tionsanbieter aus öffentlichen Mit- teln zu fördern. Das Modell eines monopolartigen Service public stammt aus einer Zeit, in der Infor- mation knapp, Kanäle begrenzt und Öffentlichkeit zentral organi- siert war. Diese Voraussetzungen haben sich grundlegend verändert. In einer digital vernetzten Gesell- schaft sind Information und Unter- haltung schneller, vielfältiger und über zahlreiche Kanäle zugänglich geworden. Inhalte werden nicht mehr linear konsumiert, sondern gezielt ausgewählt, verglichen und eingeordnet. Gerade jüngere Generationen nut- zen diese Möglichkeiten selbst- verständlich und erwarten eine Vielfalt von Perspektiven statt ei- ner einheitlichen Sichtweise. Damit hat sich auch der Auftrag des Service public gewandelt. Er von Richard Koller